Vietnamesisch

  • Vietnamesisch (tiếng Việt) ist die Amtssprache der Sozialistischen Republik Vietnam und Chữ Quốc ngữ die offizielle Schrift.

  • Die vietnamesischen Schriftzeichen sind in Deutschland seit 2012 vollumfänglich als Zeichensatz in Unicode hinterlegt und elektronisch vollständig abbildbar. Vietnamesische Schriftzeichen sind lateinische Zeichen. Die deutsche Personenstandsverordnung schreibt die Wiedergabe der sogenannten diakritische Zeichen ausdrücklich vor (vgl. § 15 PStV).

  • Die vietnamesische Rechtschreibung (chính tả tiếng Việt) richtet sich nach der vietnamesischen Norm TCVN 7587:2007. Das vietnamesische Alphabet umfasst 29 Buchstaben, darunter 12 Vokale und 17 Konsonanten; letztere bilden wiederum 11 Konsonantenpaare. Kombiniert mit fünf Tonzeichen (über oder unter einem Vokal) und dem Weglassen des Tonzeichens werden sechs unterschiedliche Intonationen abgebildet, zum Beispiel: ma (Geist) - má (Wange) - mà (aber) - mả (Grab) - mã (Pferd) - mạ (Reissetzling).

    Vietnamesische Schrift:

  • Fernreisende Missionare aus Portugal, Spanien und Italien hatten die Sprache der Einheimischen (damals: Tunquinesen, Annamiten) in lateinische Zeichen transkribiert, ehe Alexander de Rhodes deren Textsammlungen kompilierte und 1651 das "Dictionarium Annamiticum, Lusitanum, et Latinum" (Annamtisch-Portugiesisch-Lateinisches Wörterbuch) verfasste. Noch bis Anfang der 1950er Jahre wurde von europäischen Staaten für Vietnamesisch (tiếng Việt) offiziell die Bezeichnung Annamitisch verwendet.
  • Erste Abhandlungen in deutscher Sprache über die annamitische Sprache finden sich im Jahrband 1855 der Königlich-Preußischen Akademie der Wissenschaften.
  • Die "Theoretisch-Praktische Grammatik der annamitischen Sprache" von 1894/1900 ist das erste deutsch-vietnamesische Sprachlernbuch in Frakturschrift mit Wortlisten und Konnotationen über die regional unterschiedlichen Aussprachevariationen. Im Werk verschachtelt sind Kurzgeschichten und Zeitzeugenberichten zu Zeiten der französischen Kolonialisierung in Indochina. Das Büchlein mit festem Einband galt mutmaßlich der Flottenbesatzung der österreichischen k.u.k.-Kriegsmarine für hinterindische Missionen, die in Vergessenheit geraten sind.
  • Zu Beginn des 20. Jahrhunderts hat die heutige vietnamesische Schrift in den drei Gebieten Tongking, Annam und Cochinchina der Union Indochinoise nach und nach die traditionell in der vietnamesischen Literatur verwendeten Schriftzeichen chữ nôm (字喃), eine ideographische Repräsentation der vietnamesischen Sprache, als auch 'chữ hán' bzw. 'chữ nho' (Hochchinesisch) als allegmeingebräuchliche Schrift abgelöst.
  • Der standardisierte Gebrauch von Begrifflichkeiten in vietnamesischen Schriftstücken hat sich insbesondere um die Jahrtausendwende des 21. Jahrhunderts stark intensiviert. Zahlreiche einschlägige Gesetze, Verordnungen, Vorschriften und Standards definieren heute Begrifflichkeiten im jeweiligen fachlichen Kontext. Daraus, und bedingt durch die wirtschaftliche Öffnung und Entwicklung Vietnams und der Einfuhr neuer Technologien sind in den vergangenen Jahren in Vietnam viele Fachsprachen entstanden, zum Beispiel auf dem Gebiet der Technik und Medizin, deren Begrifflichkeiten in Fachwörterbüchern, Glossaren und Terminologielisten abgebildet sind.

    Vietnamesische Sprache:

  • Eine formelle "hochvietnamesische" Phonetik (Aussprache) des Vietnamesischen, ähnlich der Aussprache des Standardhochdeutschen, existiert in Vietnam nicht.
  • Die regionalen Sprachvariationen werden grob in die drei Variationen Nord-, Mittel- und Südvietnamesisch unterteilt. Phonologische Abweichungen (Dialekte) innerhalb einer Variation sind regional enger begrenzt, wie bspw. der Huế-Dialekt oder Quảng-Dialekt.
  • Die regional unterschiedliche Aussprache des Vietnamesischen hat sich bis heute erhalten und ist Manifest der Vielfalt der vietnamesischen Gesellschaft. Treffen sich zwei Vietnamesen aus verschiedenen Sprachregionen, müssen sich Zuhörer und Sprecher anpassen, damit die Verständigung gelingt. Dies ist in etwa vergleichbar mit der Konstellation, bei der ein Sprecher mit badisch-alemannischem Dialekt auf einen Gesprächspartner trifft, welcher diesen Dialekt nicht gewohnt ist: "Sell henni it gwisst" würde dieser in "Das habe ich nicht gewusst" umformulieren, um eine gemeinsame Verständigungsebene zu erhalten.
  • Umgangssprache und Standardsprache (Sprachgebrauch in öfffentlichen Schriftstücken und Gesetzestexten) weichen im Vietnamesischen teilweise stark voneinander ab.

    Syntax:

  • Ein Kollege beschreibt Vietnamesisch treffend wie folgt: "Das Vietnamesische kennt keine grammatischen Mittel zur Darstellung der verschiedenen Zeitebenen. Im Kontext erkennt man Zeitunterschiede allein durch die Hilfswörter đã, sẽ, đang. Weder Substantive noch Adjektive erleiden eine Deklination, noch Verben eine Konjugation. Das Vietnamesische ist weitgehend amorph, strukturlos. Diese Strukturlosigkeit macht das Vietnamesische zu einer schwer erlernbaren Sprache, deren Beherrschung viel Erfahrung und sprachliches Gefühl erfordert." Hinzu kommt die erschwerte Verwendung zahlreicher Personalpronomina je nach Kontext und hierarchischer Einordnung des Sprechers. 

    Verbreitung:
  • Heute sprechen weltweit knapp 100 Millionen Menschen Vietnamesisch.
  • In Vietnam selbst umfasst dies auch die 53 offiziell anerkannten indigenen Volksgruppen mit Vietnamesisch als erste Fremdsprache, insofern sie die Landessprache nicht bereits als Muttersprache erlernt haben. Die Sprachen der amtlich als "ethnische Minderheit" (dân tộc thiểu số) bezeichneten Volksgruppen werden nach und nach verschwinden. Seit einigen Jahren gibt es für die zahlenmäßig größten Sprachfamilien wie Tày-Nùng zwar auch eigene Fernseh- und Rundfunksendungen. Erhalt und Gebrauch im täglichen Leben nehmen ab - und wohl erst dann wieder zu, wenn diese Regionalsprachen in die Bildungspläne der Gebirgsprovinzen aufgenommen werden.
  • Darüberhinaus gibt es zahlreiche Vietnamesischsprechende, die nicht in Vietnam leben. In Deutschland leben offiziell 96.105 vietnamesische Staatsbürger (Statistisches Bundesamt, Stand 31.12.2017). Zwischen 2000-2017 wurden 36.335 Bürger vietnamesischer Abstammung eingebürgert. Für den Zeitraum davor sind keine verlässlichen Daten verfügbar.